Teilhabe ermöglichen
Arbeit für Menschen mit Behinderung
Papenburg, 22. März 2012.
Wie finden Menschen mit Behinderung und
mittelständische Unternehmer zusammen? Das war die Frage bei einer
Podiumsdiskussion unter dem Motto „Potentiale fördern – Teilhabe ermöglichen“. Veranstalter
waren der Caritasverband für die Diözese Osnabrück und die
Mittelstandsvereinigung der CDU des Bezirksverbands
Osnabrück-Emsland-Grafschaft
Bentheim
. Mehr als 60
MIT-Mitglieder kamen in die Räume der Caritas-Werkstatt in Papenburg. 20 von
ihnen waren mit einem Bus aus dem Ammerland angereist.
Diözesan-
Caritasdirektor
Franz Loth sagte in seinem
Grußwort: „Das Gebot der Stunde ist: Menschen nicht auszuschließen, nicht vor
der Türe stehen zu lassen. Wirtschaft und Gesellschaft müssen die Tür für Menschen
mit Behinderung aufmachen. Das Behindern ist heilbar.“ Loth betonte: „Inklusion
wird in der Regel dann schwierig, wenn sie konkret wird. Es ist eine
Herkulesaufgabe, die Zeit, Geld und Ressourcen abverlangt.“
Der Bezirksvorsitzende der MIT Osnabrück-Emsland-Grafschaft
Bentheim
Hans-Dieter
Klahsen
hob hervor: „Sowohl die
öffentlichen Einrichtungen, die Arbeitswelt aber auch das Wohnumfeld müssen
sich verändern. Nicht der Behinderte muss zur Einrichtung passen, sondern die
Einrichtung zum Behinderten. Die Gesellschaft muss dies ermöglichen. Es gilt,
sich dieser Herausforderung zu stellen“, so
Klahsen
.
Hauptrednerin war die Ministerialdirektorin im Bundesministerium für Arbeit und
Soziales Brigitte
Lampersbach
. Sie erklärte:
„Deutschland ist das erste Land, das die UN-Behindertenkonvention in einen
nationalen Aktionsplan umgesetzt hat. Inklusion bedeutet Vielfalt und Buntheit
von Anfang an und mittendrin. Im nationalen Aktionsplan sind im übertragenen
Sinne der Bauherr Deutschland, der Architekt und Bauleiter das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Gewerke seien die
Zivilgesellschaft als Ganzes.“
Man habe sich als Zeithorizont mit über 200 Einzelaktionen zehn Jahre gesetzt,
so Lampersbach. Es komme darauf an zu schauen, was die Menschen könnten und
nicht welche Einschränkungen sei hätten. Es gehe um die stärkere Eingliederung
Behinderter in den ersten Arbeitsmarkt. Firmen nutzten Heilpädagogische Zentren
zunehmend als verlängerte Werkbank. Die Unternehmen würden damit sich selbst
und den sozialen Einrichtungen helfen. Es komme darauf an, die vorhandenen
Unterstützungsmöglichkeiten bekannter zu machen – auch angesichts des
demographischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels.
Hans-Heinrich
Hebler
, der Geschäftsführer des St.
Lukas-Heims, nannte Beispiele, wie Mitarbeitende aus den Caritas-Werkstätten
über ein Praktikum jetzt in Außenstellen arbeiten. Ein Busunternehmer aus
Börger
und ein junger Mann waren auch zu Gast und
berichteten, wie zufrieden sie sind.
Hebler
forderte
die Unternehmer auf, mehr Praktikums- und Arbeitsplätze anzubieten – auch für
Gruppen. Die Caritas-Werkstätten würden sowohl die Mitarbeitenden mit
Behinderung als auch die Arbeitgeber gut begleiten.
In der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um Ängste der
Unternehmer. Das Sonderkündigungsrecht für Menschen mit Behinderung, die
Diskussion um den Mindestlohn, Zusatzurlaub und andere Bedenken kamen zur
Sprache. Allerdings waren auch die Ressourcen der Beschäftigten Thema. Und die
Vorteile der Mittelständler – auch im Hinblick auf die Suche nach Fachkräften
in Zeiten einer Vollbeschäftigung.
