Barrieren ganz praktisch vor Augen geführt
Caritasdirektor und Landrat eröffnen Aktion auf Residenzplatz
„Das geht schon sehr schwer. Ohne Hilfe käme ich nicht über die Kieselsteine“, sagt Katharina Wettengel. Die Studentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik wird in einem Rollstuhl von ihrer Kollegin Stefanie Schwedtka über einen Parcours auf dem Residenzplatz geschoben. Ihre Mitstudentin Christina Muschweck erfährt derweil, wie eingeschränkt sie sich im Alterssimulationsanzug bewegen kann und wie unscharf sie Dinge durch eine entsprechende Brille sieht. Und der neue Eichstätter Oberbürgermeister Andreas Steppberger zeichnet in einem „Sinneszelt“ einen Kreis auf einem Blatt nach, das nur über eine Spiegel zu sehen ist, um Wahrnehmungsstörungen nachempfinden zu können.
Katharina Wettengel, Studentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik, erfährt, wie schwer es mit einem Rollstuhl sein kann, während sie von ihrer Kollegin Stefanie Schwedtka über einen Parcours auf dem Residenzplatz geschoben wird. Fotos: Esser
Steppberger und die Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik sowie Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Eichstätt haben heute (2.5.) bei der Aktion „Jede Barriere ist eine zu viel!“ anlässlich des Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung als erste erfahren, wie schwer es ist, mit einer Behinderung zu leben. Die Aktion hatten kurz zuvor Caritasdirektor Rainer Brummer und der Eichstätter Landrat Anton Knapp im Beisein Steppbergers, des Vorsitzenden der Caritas-Sozialstation Eichstätt, Karl Forster, sowie des Geschäftsführers der Station, Gerhard Bauer, eröffnet. Im Rahmen der „Inklusionskampagne“ der privaten Förderorganisation Aktion Mensch wird die Offene Behindertenarbeit (OBA) der Caritas-Sozialstation gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern bis zum Samstag, 5. Mai dort Eindrücke rund um das Thema Barrierefreiheit vermitteln. Die Aktion Mensch fördert die Veranstaltung in Eichstätt mit rund 4.000 Euro.
Caritasdirektor Rainer Brummer sagte in seiner Begrüßungsrede, dass „dem Thema Barrierefreiheit auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft eine elementare Bedeutung zukommt“. Bei der Veranstaltung auf dem Residenzplatz werde man auf ganz praktische Weise mit dem Thema Behinderung vertraut gemacht: zum Beispiel, indem ausprobiert werden kann, wie ein Rollstuhl über eine Rampe in ein Auto eingeladen wird.
Verständnis für die Gleichstellung erhöhen
„Mögen diese Aktionstage das Verständnis für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung im Alltag erhöhen“, wünschte sich der Caritasdirektor. Landrat Knapp erklärte, die Aktionstage böten die ganz große Chance, Menschen Probleme vor Augen zu führen, die selbst nicht von diesen betroffen sind. Er bat die Schülerinnen und Schüler darum, „ihre Erlebnisse in Familie und Bekanntenkreis weiterzugeben“. Oft seien es kleine Schritte, die weiterführen.
Die für die OBA der Caritas-Sozialstation Eichstätt verantwortliche Mitarbeiterin Katrin Wintergerst will durch die Aktionstage „einen Perspektivwechsel“ ermöglichen. Während an den ersten drei Tagen vor allem Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse auf den Residenzplatz eingeladen sind, kann sich am Samstag von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr die breite Öffentlichkeit mit dem Thema „Menschen mit Behinderung“ vertraut machen.
Die für die Offene Behindertenarbeit der Caritas-Sozialstation Eichstätt verantwortliche Mitarbeiterin, Katrin Wintergerst, führte in die Aktionstage ein. Aufmerksam hörten ihr Eichstätts neuer Oberbürgermeister Andreas Steppberger, der Geschäftsführer der Sozialstation, Gerhard Bauer, Vorsitzender Karl Forster, Landrat Anton Knapp und Caritasdirektor Rainer Brummer (von links) zu.
Organisationen, die „wie in einem Räderwerk zusammenwirken“
Landrat Knapp lobte, wie bei der Aktion verschiedene Organisationen „wie in einem Räderwerk zusammenwirken“. Neben dem Caritasstand stellt etwa das Gehörlosenzentrum Ingolstadt Ursachen von und Probleme bei Gehörlosigkeit sowie Hilfen für Betroffene vor. Das Referat Seniorenseelsorge der Diözese Eichstätt macht auf die Kampagne „ganz jung, ganz alt, ganz ohr“ des Bayerischen Sozialministeriums aufmerksam und bietet dabei an, den Alterssimulationsanzug zu testen. Die Kampagne will vor allem junge Menschen begeistern, "ganz Ohr" für ältere und pflegebedürftige Menschen zu sein - und umgekehrt: Jung und Alt werden auf kreative und spielerische Weise zusammengebracht, indem sie zum Beispiel zusammen Musik machen, Videoclips drehen, Theater spielen oder tanzen. So soll erlebbar werden, dass alte und pflegebedürftige Menschen keine „Pflege“-Fälle sind, sondern Persönlichkeiten mit interessanter Geschichte, mit Träumen und Wünschen – und dass es sich lohnt, aufeinander zuzugehen und füreinander "ganz Ohr" zu sein. Weitere Informationen zu der Kampagne gibt es auch im Internet unter www.bayern-ist-ganz-ohr.de .
Betreut wird der Parcours auf dem Residenzplatz neben Caritasmitarbeiterin Katrin Wintergerst von den Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik. Diese werden Jugendliche begleiten und für zusätzliche Sicherheit sorgen. Den Kuchen- und Getränkeverkauf am Tag für die Öffentlichkeit am 5. Mai hat der Elternbeirat des Kinderhauses der Dompfarrei in die Hand genommen. Die Stadt Eichstätt stellt nicht nur den Platz und Absperrgitter zur Verfügung, sondern unterstützt das Projekt auch finanziell mit 150 Euro. Der Landkreis tut dies mit 500 Euro. Am Auf- und Abbau des Projektes werden die Caritas-Werkstätten Ingolstadt und eine Klasse der Berufschule Eichstätt mitwirken.
