Hintergrundinformationen

Unser Selbstverständnis

Unser Leitbild

Dies ist das Leitbild der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes. Es will die gemeinsamen Grundlagen unserer Arbeit aufzeigen, unser Selbstverständnis benennen und Möglichkeiten zur Motivation und Identifikation anbieten.

Das Leitbild enthält Grundsätze. Diese müssen in einem gemeinsamen Prozess zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Führungskräften in praktisches Handeln umgesetzt werden.

Die Leitbild-Grundsätze sind zukunftsorientiert. Sie sagen aus, was sein soll, und zeigen damit Perspektiven für die Weiterentwicklung unserer Arbeit auf.
Das Spannungsfeld zwischen Bestehendem und Angestrebtem ist uns bewusst und fordert uns heraus.

Wer wir sind

Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes der Diözese setzen wir bewusst die seit der Verbandsgründung 1918 begonnene Arbeit als Grunddienst der Ortskirche von Rottenburg-Stuttgart fort. Dieser Aufgabe gilt die besondere Sorge des Bischofs. In seinem Auftrag wirken wir in Kirche, Staat und Gesellschaft.
Aus christlicher Überzeugung arbeiten wir mit unterschiedlicher fachlicher Qualifikation am gemeinsamen Ziel, Menschen - insbesondere die Benachteiligten und Armen - vor Ausnutzung, Ausgrenzung und Vereinnahmung zu schützen und ihre Selbsthilfekräfte zu stärken. Dieses Anliegen verbindet uns mit den Ehrenamtlichen, deren Arbeit wir unterstützen und fördern.

Worauf unser Handeln gründet

Grundlage unseres Handelns ist die Botschaft Jesu, dass Gott sich in Liebe aller Menschen annimmt und ihr Heil will. In der barmherzigen Zuwendung zu Menschen in Not und in Solidarität mit ihnen wird der biblische Auftrag zur Nächstenliebe erfüllt. Wir versuchen - wie in jeder Zeit - diesen Auftrag heute umzusetzen. Der Dienst für Menschen gehört ebenso wie Liturgie und Verkündigung zum Wesen der Kirche. Nach christlichem Verständnis ist jeder Mensch ein einmaliges Geschöpf Gottes - sein Ebenbild. Wir helfen grundsätzlich jedem Menschen ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Religion, Staats- und Volkszugehörigkeit oder politischer Überzeugung.

Biblische Propheten haben deutlich gemacht, dass Gott selbst Anwalt der Armen ist. Sie haben durch ihre unmissverständliche Kritik die aktuellen Ursachen von Ungerechtigkeit benannt und beklagt. Sie waren solidarisch mit den schwachen und ausgegrenzten Menschen. In dieser Tradition beobachten und bewerten wir gesellschaftliche Zustände und Entwicklungen. Wir weisen deutlich auf herrschende Missstände und deren Ursachen hin. Damit stellen wir uns bewusst in das Spannungsfeld von gesellschaftlicher Realität und der Vision vom Reich Gottes.

Woran wir uns orientieren

Prinzipien der katholischen Soziallehre leiten unser Handeln:

  • Wir achten die Würde eines jeden Menschen und treten für seine Rechte ein (Personalität).
  • Wir fördern die Selbstständigkeit Einzelner sowie von Gruppen und leisten ihnen Hilfe zur Selbsthilfe (Subsidiarität).
  • Wir unterstützen solidarisches Handeln und Verhalten im Sinne des Gemeinwohls (Solidarität).

In unseren Einrichtungen und Diensten orientieren wir uns an den Bedürfnissen der Menschen. Wir wollen bewusst mit den Stärken und Möglichkeiten der Einzelnen arbeiten und beziehen deren Lebensfeld mit ein. Deshalb unterstützen, fördern und ergänzen wir die ehrenamtlich-karitative Arbeit in den Kirchengemeinden.

Wir arbeiten nach anerkannten fachlichen Standards. Die Qualität unserer Leistungen bemisst sich an der Wirkung und am Nutzen für die Menschen. Betriebs- und marktwirtschaftliche Erfordernisse sind dabei zu beachten. Die Qualität der Leistung wird von uns regelmäßig überprüft und planvoll gesichert.

Unsere Finanzmittel verwenden wir wirtschaftlich und zweckmäßig. Über ihre Verwendung geben wir verständlich und transparent Auskunft. Eigenmittel werden vorwiegend für Aufgaben eingesetzt, denen der Caritasverband verantwortlich Vorrang einräumt.

In unserer Arbeit berücksichtigen wir ökologische Aspekte. Damit kommen wir dem biblischen Auftrag zur Wahrung der Schöpfung nach.

Wir achten das vielfältige soziale Engagement von Ehrenamtlichen, Selbsthilfegruppen, Initiativen und Verbänden. Wir kooperieren mit kirchlichen Stellen und anderen Trägern der freien Wohlfahrtspflege und stellen uns dem Wettbewerb.

Was wir tun

Wir unterstützen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Wir tun dies in unseren Diensten und Einrichtungen und nehmen Einfluss in Kirche, Staat und Gesellschaft.

  • Wir helfen Menschen in geistiger, körperlicher, seelischer und materieller Not. Dazu stellen wir ein qualifiziertes Angebot von Diensten und Einrichtungen zur Verfügung.
  • Wir vertreten als Anwalt der Benachteiligten deren Anliegen gegenüber Staat, Politik und Gesellschaft und unterstützen sie bei der Wahrung und Durchsetzung ihrer Rechte.
  • Wir halten in Kirche und Gesellschaft das Bewusstsein für jede Form der Not wach. Dazu gehört, Ursachen von Armut und Not aufzuzeigen und deren Beseitigung anzustreben.
  • Wir unterstützen die Mitglieder unseres Verbandes in ihrer Arbeit, informieren, beraten sie und vertreten sie politisch.
  • Wir gestalten gesetzliche Rahmenbedingungen mit, insbesondere im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich. Wir setzen uns dafür ein, dass der Staat seinen sozialen Verpflichtungen nachkommt.
  • Wir tragen durch Aus-, Fort- und Weiterbildung, durch wissenschaftliche Arbeit und Publikationen zur Qualifizierung der sozialen Arbeit bei. Wir beteiligen uns an der Entwicklung von Konzepten und Standards für die verschiedenen karitativen Felder.

Wie wir zusammenarbeiten

Wir verwirklichen Dienstgemeinschaft, indem wir eine Atmosphäre vertrauensvoller und kollegialer Zusammenarbeit schaffen.

Der Vorstand gibt Ziele vor und setzt Rahmenbedingungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden an den ihr Arbeitsfeld betreffenden Ziel- und Entscheidungsfindungen beteiligt. Klare Aufgabenbeschreibung mit Delegation von Kompetenzen und Verantwortung räumen ihnen Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ein. Die Initiative und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird gestützt und gefördert.

Die leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter praktizieren einen partizipativen Führungsstil.
Informationsabläufe werden formal festgelegt. Zielorientierte Arbeitsgespräche und Reflexion dienen der Erfolgskontrolle, der Konzeptions- und der Personalentwicklung. Wir verstehen uns als lernende Organisation, offen für Veränderungen.
Unsere Arbeit erfordert gleichermaßen fachliche Eignung und soziale Kompetenz.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Führungskräfte qualifizieren sich regelmäßig durch Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Wir nutzen die Möglichkeiten theologischer und pastoraler Begleitung für unsere persönliche und religiöse Weiterentwicklung.
Wir bringen Engagement, Kreativität, konstruktive Kritik und eigenverantwortliches Handeln in unsere Arbeit ein. Die dafür notwendigen Foren werden eingerichtet.

Mit unserer Arbeit wollen wir für Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Innovation und Zuverlässigkeit stehen.

 
Stuttgart, im Januar 2002

Msgr. Wolfgang Tripp, Vorstand
Dr. Irme Stetter-Karp, Vorstand
Dr. Rainer Brockhoff, Vorstand